25 Jahre La Haine – Bis hierher lief es noch ganz gut



1995 kommt La Haine – zu Deutsch Hass – in die internationalen Kinos. Mathieu Kassovitz möchte das trostlose Leben der französischen Vororte all jenen begreiflich machen, die sonst nur in der Zeitung darüber lesen. Pionierarbeit, die sich nicht mehr hätte lohnen können: La Haine ist ein preisgekrönter Genreklassiker und seine Story aktueller denn je.

Zum 25. Jubiläum gibt es von Streetwear-Dino Reebok ein besonderes Geschenk – die von den Hauptcharakteren im Film getragenen Reeboks in einer La Haine-Edition. Auch Aimé Leon Dore hält eine breite Kollektion an Hoodies und Parkas bereit. Mit Zitaten und im typischen Look des Films. 24 Stunden in schwarz-weiß.


24 Stunden in Schwarz-Weiß

Die drei heranwachsenden Protagonisten Vinz, Said und Hubert fristen ihr Dasein in Chanteloupe-les-Vignes, Paris. Die Häuserblocks trist und die Zukunftsperspektiven sogar noch spärlicher als die Anzahl gerechter Polizisten dort.

Als bei Krawallen ein Junge aus dem Viertel, Abdel, von einem Streifenbeamten lebensgefährlich verletzt wird, sinnt vor allem Vinz auf Rache. Gerade jetzt findet er eine bei den Tumulten verlorengegangene Waffe.

Die Waffe verschafft keinen Respekt, gleicht aber die Bilanz aus

Mit der Pistole im Schlepptau erleben die drei besten Freunde reihenweise Unangenehmes. Während Hubert Gelassenheit predigt und Said alle Probleme wegzulächeln scheint, geraten sie zusammen mit Vinz in eine Konfrontation nach der anderen. Handgreiflichkeiten, Diebstähle, Schlägereien. Gleichzeitig werden sie von der Polizei mal schikaniert, mal festgenommen.

Alltag eines Juden, eines Arabers, eines Afrikaners in Paris? Man fragt sich, welche Art von Leben der französische Staat für Kinder von Einwanderern vorsieht. La Haine gibt eine unmissverständliche Antwort.

Ohne deine Gang bist du nichts



Die drei Jungs verabschieden sich. Said und Vinz werden nur Sekunden später von in Chanteloupe bekannten Zivilpolizisten attackiert. Hubert, zu dem Zeitpunkt im Besitz der Pistole, eilt zu Hilfe. Der Polizist hält Vinz die Dienstwaffe an die Schläfe und verhöhnt ihn.

Es löst sich ein Schuss – Vinz sackt am Streifenwagen zusammen. Danach richten Hubert und der Polizist ihre Waffen aufeinander. Schwarzer Bildschirm. Noch ein Schuss.

Dies ist die Geschichte einer Gesellschaft, die fällt

Die Inspiration zu La Haine stammt aus der traurigen Realität. 1993 wurde der minderjährige Makome Bowole, an einen Heizkörper gefesselt, während eines Polizeiverhörs durch einen Kopfschuss getötet. Die Krawallszenen am Anfang von La Haine dokumentieren die anschließenden Unruhen 1993.

Die Geschichte unverhältnismäßiger Polizeigewalt ist eine Brutale. Nicht nur Kassovitz ahnte: Sie ist noch lange nicht zu Ende erzählt.

Ab jetzt muss einiges besser laufen

Aus 1995 wird 2020. Nach La Haine gibt es eine Vielzahl an Filmemachern, die das Motiv des zerrütteten, französischen Banlieues porträtieren, um der Gesellschaft einen dreckigen Spiegel vorzuhalten. Ladj Ly, Regisseur von Les Miserables 2020, dreht den Spieß um und stellt die Perspektive dreier Zivilpolizisten in den Vordergrund.

Die Geschichte unverhältnismäßiger Polizeigewalt ist eine Brutale. Und dabei ist es fast egal, wer sie weitererzählt: Die Jungs aus dem Block, die Polizisten, die Sozialarbeiter – oder die Patronenhülse, die nach dem tödlichen Schuss auf Vinz klimpernd auf den Bordstein fällt.


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