Karl Kani – Can I be successful?

In den USA Yeezy, Rocawear. Hierzulande Carlo Colucci, Ghettosport. Mode aus der Kultur, für die Kultur. Welchen Stellenwert hatte Streetwear, als Mode und HipHop noch nicht Hand in Hand gingen?

Bis Anfang der 90er waren im HipHop Tommy Hilfiger, Calvin Klein, Dickies, Converse, Carhartt und Timberland ein Must Have. Und das solange, bis sich ein junger Schneider aus New York die Frage stellte, wieso die Straßenkultur bis dato noch keine eigenen Marken aus dem Boden gestampft hatte. Karl Kani.

„Where did you buy your clothes?“

Carl Williams, wie Karl Kani früher bürgerlich hieß, hatte mit 16 Jahren bereits ein Testimonial: Sich selbst. In der Schneiderei seines Vaters beginnt er, seine Freizeitklamotten zu verschönern. Schnell hat er ein eigenes Logo, entwirft T-Shirts und Jacken. Seine Freunde fragen, woher er den Hoodie gekauft hat. Einen Monat später trägt der gesamte Freundeskreis die neue Streetwear mit dem charakteristisch geschwungenen Logo und dem einprägsamen Namen.

„If Ralph Lauren can do that, I can do that“

Ende der 1980er, als Streetwear noch selten und eigene HipHop-Marken spärlich waren, versprach Williams hochwertige Kleidung, die gegenüber den etablierten Ralph Laurens und Tommy Hilfigers einen großen Vorteil bargen: Sie kamen aus der Kultur, für die Kultur. Der Türöffner.

„If I can’t rap, let me dress the Rapper“

Karl Kani kann nicht rappen, nicht auflegen. Dafür hat er ein anderes Talent. Seine Vision ist es noch immer, Rapper einzukleiden und das mit einem Auge, das alle vier Elemente gleichzeitig im Blick hat.

Tupacs Designer

Rapper AZ und Karl Kani sind Kindheitsfreunde. Generell sind Kanis Anhänger im HipHop-Kosmos alles andere als unwesentlich: Aaliyah, Big Daddy Kane, Tupac. Letzterer verließ selten das Haus ohne mindestens ein Kani auf der Kleidung. Tupac war lange das Gesicht einer ganzen Bewegung sich entwickelnder HipHop- und Straßenkultur, in der Karl Kani nach und nach zur Nummer 1 in Sachen Bekleidung wurde.

Mit der Bekanntheit der eigenen, authentischen Mode steigt auch das Interesse an HipHop-Musik. Selbst Will Smith sah man in Karl Kani.

Aggressives Marketing und Business

Die Kleidung ist bunt und grell, das Logo wirkt wie mit einer Nadel in die Brust gestochen. Karl Kani ist offensive Mode. Um mehr Reichweite zu generieren, engagiert er Freunde, in TV Sendungen Schilder mit Karl Kani in die Kamera zu halten.

Williams hat eine Sache früh begriffen: Es reicht nicht, gut zu sein. Man muss gesehen werden. Dass Tupac und die TodayShow sein Logo unter die Leute brachten, war nicht die schlechteste Strategie. Karl Kani ist ein Business.

2020

HipHop verändert sich stetig. Karl Kani wird jetzt von Migos und Cardi B getragen. Mittlerweile sind es in Deutschland beispielsweise Fler und Haftbefehl, die neben der Musik ihre eigene Mode für sich sprechen lassen. In den Vereinigten Staaten hängt Jay-Zs Rocawear seit 1999 im Laden.

Es gab eine Zeit, in der die Straße nicht das Selbstbewusstsein hatte, Mode aus ihren Reihen zu schöpfen. Und das solange, bis sich ein junger Schneider aus New York die Frage stellte, wie lange sich seine Vision von authentischer Straßenmode halten würde. Die Antwort: Mittlerweile rund 30 Jahre.

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