Top Boy – UK for y’all

2011 liefen die ersten Folgen von Top Boy im britischen Fernsehen. Nach der zweiten Staffel wurde die Produktion überraschend eingestellt. Ende letzten Jahres erlebte die Serie aus UK dank großem Interesse von US-Rapper Drake ein Revival und fährt genau da fort, wo sie einige Jahre zuvor einen Cut gemacht hatte – bei romantisch-bitterer Realität und authentischer Mode. Was wir von britischer Streetwear noch lernen können oder bereits unbewusst übernommen haben.

Ein ungeschöntes Bild der Straße zeichnen – woran viele scheitern, gilt als Alleinstellungsmerkmal von Top Boy. Der Osten Londons ist Schauplatz von Drogenkriminalität, Revierkämpfen, Ungleichheit, Selbstzerstörung und Hoffnung.
Das grau-schwarze Leben spiegelt sich allen voran in Hauptdarsteller Dushane (Ashley Walters) und Sully (Kane Robinson) wider. Wie sie sich verhalten, sich bewegen, wie sie sprechen. Und was sie tragen.

„If you had a fresh pair of Air Max Plus, you had the money“

In Top Boy ist die Musik Grime, der Style Roadman. Und das schon von Anfang an. Bereits 2011 tragen Dushane und Co. Nike Tracksuits und Jacken von Stone Island, am Fuß Air Max Plus. Im von Überwachungskameras verminten England macht einheitlicher Look manchmal den Unterschied zwischen frei und unfrei. Man darf eben nicht auffallen.
Die dunkle Uniform der Straße bietet Schutz und ist die Antwort auf ihren Alltag. Zunächst funktional und sportlich, sehr bald auch ein Modestatement und Statussymbol. Der Roadman Style entwickelt sich dank seiner Inszenierung in den Medien von Subkultur zu einem Megatrend.

Die dunkle Uniform der Straße bietet Schutz und ist die Antwort auf ihren Alltag. Zunächst funktional und sportlich, sehr bald auch ein Modestatement und Statussymbol. Der Roadman Style entwickelt sich dank seiner Inszenierung in den Medien von Subkultur zu einem Megatrend.

Musik im Gewand der Straße

‚Boy In Tha Corner‘ Artwork

Nicht nur Serien wie Top Boy prägen den Fit der Jugend. Viele Grime-Künstler aus UK kennen das Leben, das in Top Boy beschrieben wird und tragen den Look authentisch wie kaum ein anderer. Dizzee Rascal sorgt schon 2003 mit dem Albumcover zu Boy in da corner für den damaligen Stereotyp britischer Streetwear. Auch Top Boy-Schauspieler Robinson und Walters sind lange schon selber in der Grime-Szene aktiv und von den Socken bis zur Flexfit genau das, was sie in der Serie verkörpern.

Street wird zu Fashion…

Videostill ‚Shutdown‘ by Skepta

Skepta zelebriert 2015 die Mode von Nasir Mazhar und performt beim Dreh zu Shutdown in komplett weiß vor schwarz gekleidetem Mob. Zwei Minuten im Internet und du findest Skeptas Collabo mit Nike. Daneben seine Tour-Doku, die übrigens auch den Namen Top Boy trägt.

© Universal Music

Drake kombiniert im kürzlich erschienen Toosie Slide-Video schwarze Streetwear und Camouflage – mit Swoosh auf der Stirn. Gerade dieser Drake kaufte drei Jahre zuvor die Rechte an einer dritten Staffel von Top Boy. Er meint, er liebt die Persönlichkeiten, die die Serie formt.

…Und Fashion zur Kultur

Street wird zur Fashion. Roadman ist jetzt nicht mehr nur Vorort, er ist Innenstadt und sogar Schaufenster. Auch in Deutschland ist Streetwear nach britischem Vorbild mittlerweile angekommen. Unsere Jugend kleidet sich immer mehr nach ihren Fashion-Idols aus UK, imitiert deren Attitude. Bedanken können wir uns bei Artists wie Skepta und Drake oder bei Filmen wie Blue Story.

Oder eben bei Serien wie Top Boy, deren einfühlsamer, aber ehrlicher Charakter Dushanes und Sullys Leben glaubwürdig widergibt. Wie sie sich verhalten, sich bewegen, wie sie sprechen. Und was sie tragen.

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